Alltagsgeschichten

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Alltagsgeschichten

Beitragvon damaris » 07 Jun 2020, 22:38

Ich fahre aus dem Bett hoch, schaue auf die Uhr, verschlafen! Springe in die Klamotten, keine Zeit fürs Bad, ich muss die U-Bahn in 5 Minuten erwischen. Sprinte los.
„Was rennst so?“
Ich drehe den Kopf. Frau Schöngruber ruft aus ihrem Fenster:
„Hast was geklaut, hoffentlich erwischen se dich!“
Ich stolpere. Jemand hält mich am Arm.
„Danke!“, sag ich zu dem jungen Typen, „Mir pressiert‘s!“
„Steh auch unter Druck, ‘nen Quicky? Wollt schon immer mit ‘ner Schokopüppi schnackseln“, zwinkert er mir zu.
Reiße mich los, renne weiter.
„Schlampe!“, ruft der hinterher.
Schaffe es grad noch, in die U-Bahn zu jumpen. Ein älterer Herr weicht vor mir aus, zieht seine Frau weg.
„Nicht dass wir uns was holen.“
Ich wende mich ab, steuere einen freien Sitzplatz an, setze mich. Der Tätowierte mir gegenüber steht auf. „Du stinkst“, sagt er im Weggehen.
Ich schiebe mir einen Zahnpflege-Kaugummi in den Mund. Gestern vorm Schlafengehen habe ich doch gebadet, überlege ich.
Wir halten, zwei Teenies steigen schnatternd ein, entertainen das ganze Abteil. Die eine zeigt auf mich, zieht ihre Freundin hinter sich her in meine Richtung.
„Krasse Matte!“, krault sie mir mit der Linken durchs Haar.
„Oh man ey, darf ich vielleicht auch mal?“, schubst die Freundin sie weg.
„Au!“, entfährt mir ein Schmerzenslaut.
„Stell dich nicht so an, so was bist du doch gewohnt. Buschtrommelsolo“, trommelt sie mir rhythmisch auf den Kopf und lacht dabei.
Mir schießen die Tränen in die Augen. Eine Dame mit Dackel an der Leine keift:
„Lasst die in Ruhe, die hat schon genug gelitten!“, verscheucht sie die beiden und setzt sich mir gegenüber. Ihr Hund legt sich ab. Sie nickt mir freundlich zu, rückt ihre Brille zurecht.
„Die haben nur Spaß gemacht, aber ihr habt ja so viel Gewalt erlebt. Brauchst keine Angst vor Bello zu haben, auch wenn ihr schlechte Erfahrungen mit Hunden gemacht habt. Der tut nichts. Du musst dich endlich befreien von diesem ganzen Schmerz eurer Geschichte. Am besten du hörst dir zu Hause deine afrikanische Musik an und tanzt alles raus“, rückt sie wieder ihre Brille zurecht und lächelt breit.
„Da… äh, danke, dass Sie mir geholfen haben“, stehe ich auf, strecke ihr meine Rechte entgegen.
„Ach, ich fass euch nicht so gerne an, äh, ich bin allergisch“, rückt sie mit beiden Händen ihre Brille auf die Nasenspitze und zurück.
Ich muss raus. Schaue auf meine Uhr, darf nicht zu spät kommen. Habe den Job nur wegen meiner Hautfarbe. Quotenschwarze, nennt mich Uschi aus dem Nachbarbüro.
„Stop! Juur Bääbers!“, hält mich ein Uniformierter auf.
„Was? Entschuldigung, wie bitte?“
Sein Kollege langt mich am rechten Oberarm an.
„Papiere! Kapito? Wird’s bald!“
„Sie tun mir weh!“
Der andere Polizist packt meinen linken Arm.
„Du verstehen? Juur Bääbers! Awanntie!“
Versuche, meinen rechten Arm zu befreien, um meinen Ausweis aus der Tasche zu holen. Schon liege ich auf dem Boden. Der eine kniet auf meinem Nacken, seine Faust prügelt auf meinen Rücken ein. Die Schuhe des Anderen, gefährlich nah vor meinen Augen.
„Verstehsd zwar nix, machd ja nix, fürs Brodokoll: Sie haben das Rächd…“
„Hilfe,“ krächze ich, „ich kann nicht atmen, Polizei!“
„Wir sind die Polizei, hahahaha.“

Ich fahre aus dem Bett hoch, schaue auf die Uhr, verschlafen! Springe in die Klamotten, keine Zeit fürs Bad, ich muss die U-Bahn in 5 Minuten erwischen. Sprinte los.
„Was rennst so? Haste wieder verpennt?“
Ich drehe den Kopf. Die Schöngruber, wie immer. Ich lächle und winke ihr zu.
„Schönen Tag noch!“, schreit sie mir nach.
Ich stolpere. Jemand hält mich am Arm. „Vorsicht!“
„Danke!“, sag ich zu dem jungen Typen, „Mir pressiert‘s!“
Er zwinkert mir zu.
Deja vu, denke ich und renne weiter.
Schaffe es grad noch, in die U-Bahn zu jumpen. Ein älterer Herr weicht mir aus, zieht seine Frau weg.
„Junge Leute haben es immer eilig, immer im Stress“, murmelt er.
Ich wende mich ab, steuere einen freien Sitzplatz an, setze mich. Der Tätowierte mir gegenüber spielt mit seinem Handy. Blut ist dicker als Wasser lese ich auf seinem linken Unterarm, auf dem rechten Mandy for ever. Schiebe mir einen Zahnpflege-Kaugummi in den Mund und schnuppere verstohlen an meinen Händen, die stinken nicht, hab vorm Schlafengehen gebadet.
Wir halten, zwei Teenies steigen schnatternd ein, entertainen das ganze Abteil. Die eine zeigt auf den Tätowierten, zieht ihre Freundin kichernd hinter sich her in unsre Richtung. Eine Dame mit Dackel an der Leine keift: „Bitte etwas leiser, wir sind hier doch nicht bei den Hottentotten!“, verscheucht sie die beiden und setzt sich neben mich. Ihr Hund legt sich ab. Sie nickt mir freundlich zu, rückt ihre Brille zurecht. Eigentlich ist die ganz sympathisch, denke ich noch, da muss ich raus. Schaue auf meine Uhr, wenn ich Glück habe, schaffe ich es fast pünktlich. Uschi aus dem Nachbarbüro wird schon mit Kaffee und dem neusten Tratsch auf mich warten. Wieso sind wir befreundet, frage ich mich. Ich mag sie gar nicht. Zwei Uniformierte kommen mir entgegen. Die Kehle schnürt sich zu, ich ringe nach Luft, Tränen schießen in meine Augen. Hastig durchwühle ich meine Tasche nach dem Ausweis, habe ich ihn überhaupt dabei? Die beiden stoppen vor mir.
„Gähd es Ihnen nisch guud?“, fragt der eine.
„Was? Entschuldigung, wie bitte?“, stottere ich.
„Brauchen Sie Hilfe?“, erwidert sein Kollege freundlich.“
„Nein, danke, alles bestens, ich hab’s nur eilig“, renne ich los. Außer Sichtweite bleibe ich stehen, ringe nach Luft.
„Es war doch nur ein Traum“, flüstere ich, fahre mir durchs blonde Haar, streiche über meine weißen Wangen. Eine Schwarze eilt an mir vorbei. Ich schaue ihr nach.
Gut, Mensch!
:buff:
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